Phytotherapie

Phytotherapie – die Lehre der Pflanzenheilkunde

„Alles, was der Natur gemäß geschieht, geschieht richtig“, sagte schon der griechische Philosoph Epiktet um ca. 50 v. Chr. Das Wissen um und das Arbeiten mit der Pflanzenheilkunde, auch Traditionelle Europäische Medizin (TEM) genannt, ist in meiner Praxis zentrales Thema und ein wichtiger Aspekt bei der ganzheitlichen Behandlung meiner Patienten.

Wohl durch das Vorherrschen der heutigen medizinischen Lehrmeinung und dem (vorübergehenden) Vormarsch der Chemie war die so reiche europäische Pflanzenheilkunde einige Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten; doch dank ihrer Wirksamkeit, ihrer Vielfältigkeit, ihrer Sanftheit und eben ihrer Natürlichkeit sowie ihrer Belegbarkeit des medizinischen Nutzens durch Jahrhunderte und gar Jahrtausende hinweg kehrt die Phytotherapie immer mehr in die Praxis ganzheitlicher Mediziner und Naturheilpraktiker und damit zu den Menschen zurück.

Die Geschichte der Pflanzenheilkunde ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und in allen Kulturen beheimatet. Auch uns sind die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), der Ayurveda Indiens oder das Heilwissen der südamerikanischen Schamanen zum Teil geläufig. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah, wie schon Goethe formulierte. Auch hier bei uns, sozusagen direkt vor unserer Haustüre und um uns herum, existieren neben Artenvielfalt, Farben und Düften der Flora schier unzählige natürliche Heilkräfte, die für Mensch und Tier von Nutzen sind. Vor allem in den Klöstern und durch die Äbtissin Hildegard von Bingen wurde im Mittelalter ein großer Wissensschatz zusammen getragen, der auch heute noch in den Schriften in großem Umfang enthalten ist.

So wird, um nur einige Beispiele zu nennen, der Rosmarin, heute ein beliebtes Gewürz in der Küche, in der Naturheilkunde schon lange wegen seiner anregenden Wirkung bei Erschöpfungszuständen eingesetzt und die Melisse war bereits in der Antike u. a. für ihre beruhigende Wirkung so bekannt, dass Kaiser Karl der Große im neunten Jahrhunderts sogar per Gesetz („Capitulare de villis“) den Anbau der Melisse in jedem Klostergarten anordnete. Der Hopfen wiederum ist uns nicht zuletzt durch unser Bier bekannt, das ursprünglich von christlichen Mönchen als stärkende Nahrung während der Fastenzeit und aufgrund seiner vielfältigen Wirkweise auf unsere Gesundheit gebraut wurde. In der Naturheilkunde wird der Hopfen deshalb seit jeher bei Einschlafstörungen, nervöser Unruhe, Herzklopfen, nervöser Unruhe und Angstzuständen eingesetzt.

Grundlage der heutigen Pflanzenheilkunde ist die Heilpflanzenkunde („Phytopharmakognosie“), die das Wissen um die verschiedenen Heilpflanzen bereithält. Die Pflanzenheilkunde enthält aber auch Teile der Pharmakologie, der Pharmazeutik sowie der Toxikologie. Die Pflanzenheilkunde kann folglich dem Überbegriff der Pharmazeutischen Biologie zugeordnet werden. Ziel der Pflanzenheilkunde ist es, die Heilpflanzen und ihre Inhaltsstoffe hinsichtlich ihrer therapeutischen Wirkung zu erforschen.

In der Pflanzenheilkunde kommen als Phytopharmakon grundsätzlich nur ganze Pflanzen oder Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Knospen, Samen, Stängel, Rinden, Wurzeln) zur Anwendung. Diese werden frisch oder als Tees, Säfte, Tinkturen, Extrakte, Essenzen, Pulver etc. therapeutisch angewendet. Eine chemische Isolierung eines einzelnen Arzneistoffs ist nicht vorgesehen, es wirken also immer Stoffgemische. Daher kann ein Phytopharmakon verschiedene Wirkungen haben, auch unerwünschte Wirkungen haben oder bei verschiedenen Krankheitsbildern angewendet werden. Da es sich bei den Phytopharmaka um Naturprodukte handelt, unterliegen die wirksamen Inhaltsstoffe natürlichen Schwankungen. Vom Klima und dem Standort der Pflanze über den Erntezeitpunkt und die Lagerung bis hin zum Herstellungsprozess reichen die Faktoren, die die Zusammensetzung eines Phytopharmakons (z.B. eines Kamillentees) beeinflussen.

Daher sind bei der Herstellung große Anstrengungen zu unternehmen, um eine Standardisierung zu erreichen. Im Gegensatz zur Pflanzenheilkunde versucht die moderne Pharmakologie (Pharmaindustrie) reine Arzneistoffe zu isolieren oder sogar künstlich herzustellen bzw. „nachzubauen“ und zu verändern, um die Wirkung vermeintlich zu verbessern. Doch es hat sich in den letzten Jahrzehnten gezeigt, dass rein natürliche und unveränderte Stoffe eben doch ein viel klareres Wirkprofil aufweisen und deutlich weniger Nebenwirkungen haben (wenn überhaupt) als synthetisch hergestellte Arzneimittel.

Immer mehr wird erkannt, dass sich die Natur eben nicht standardisieren und patentieren lässt, denn sie liefert uns Modelle und Strukturen, die sich kein Chemiker je ausdenken oder nachahmen könnte!

In meiner Praxis setze ich deshalb ausschließlich Heilpflanzen in ihren verschiedenen Darreichungsformen ein, die ich selbst eingehend studiert habe und die von namhaften und lauteren, der Natur verpflichteten Herstellern produziert werden.

Die Phytotherapie leistet bei allen (!) Erkrankungen, oft singulär, meist auch additiv (also begleitend) beste Dienste, denn: „Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“, wie das alte Sprichwort sagt.